Alles EINS?

schon immer haben die Menschen nach dem tieferen Sinn des Lebens gesucht. Und, genau wie damals, so stellen wir auch heute noch die gleichen elementaren Fragen: Wer oder was bin ich? Wie entsteht die Welt? Warum leide ich? Was kann ich also tun?

Auf der Suche nach Antworten sind die Menschen in Indien vor vielen tausend Jahren auf Dinge gestoßen, die bis heute für uns relevant sind. Dabei betrachteten sie unser Bewusstsein, Denken, Handeln, Emotionen, sowie die Aspkete von Materie, Raum, Klang, Energie.

Durch Naturbeobachtungen und mystische Erfahrungen haben sich über einen langen Zeitraum Handlungsweisen und Übungen zu einer Philosophie entwickelt, die bis heute Yoga nennt.
Die ursprüngliche Bededeutung des Wortes Yoga ist "Einheit", aber unter dem Begriff Yoga sammeln sich zum Teil sehr unterschiedliche Traditionen, Vorstellungen und Konzepte.

Yoga Traditionen

Die speziellen Methoden und Übungen des Yoga wurden neben wenigen schriftlichen Aufzeichnungen, lange Zeit nur mündlich, von Mensch zu Mensch, weitergegeben. Viele der heute noch praktizierten Yoga-Übungen gehen bereits auf die frühen Rishis = Einsiedler, Seher und Weisen zurück. Dabei hat in neuerer Zeit, neben vielen anderen Gurus = Lehrern, der südindische Gelehrte und Yogi Sri T. Krishnamacharya das heutige, international bekannte Yoga, maßgeblich beeinflußt. Viele weltweit angesehene Yogalehrer waren seine Schüler. Darunter sein Sohn, Sri T.K.V. Desikachar, oder auch andere wie Sri B.K.S. Iyengar (Iyengar Yoga), Sri K. Pattabhi Jois (Astangha Yoga), sowie Indra Devi, A.G. Mohan, R. Sriram u.v.m.
Ihr Yoga ist direkt, oder indirekt durch das Lebenswerk von Sri T. Krishnamacharyas beeinflusst und weltweit verbreitet worden.

Hatha Yoga ...

ist das was wir im Westen allgemein unter Yoga verstehen – Körperübungen. Hatha Yoga möchte besonders durch intensive Körperübung, Atemübung und Meditation, die große Freiheit erlangen. Hatha Yoga hat einen sehr mystischen Ursprung und ist wesentlich später als das klassische, philosophische Yoga (vgl. Upanishads, Patanjali, Karma Yoga, Bhakti Yoga ...) entstanden. Unabhängig von unterschiedlichen Strömungen und Lehrern können wir alle Formen des Yoga die mit körperlicher Anstrengung und Askese zu tun haben, als Hatha Yoga bezeichnen.

Als eine Lehre für Körper und Geist bietet uns Yoga insgesamt ein sehr breites Spektrum mit vielfältigen, skalierbaren Möglichkeiten. Wir können uns am Anfang auf die etwas einfachere Ebene des Körpers konzentrieren und später, wenn wir mit den Körperübungen vertrauter sind, zum Beispiel mit suptileren Atemübungen beginnen und anschließend in die unterschiedlichen Ebenen der Meditation übergehen. Oder alles auf einmal? Letztlich geht es im Yoga früher oder später immer um Einheit, Selbsterkenntnis und Freiheit.

Asana – Haltungen. Übungen.

Generell steht bei den Körperübungen des Yoga (Asana) unsere Wirbelsäule und der gesamte Bewegungsapparat im Mittelpunkt. Gesundheit, Beweglichkeit, Stabilität, Belastbarkeit und ein freier Atem sind wesentliche Ziele jeder Yogapraxis. Kein Kampf gegen den Körper, sondern ein bewusstes Eingehen auf den Körper. Kein Erreichen einer "perfekten" Form. Keine Ringen um Zentimeter der Dehnung, oder Verweildauer in der Haltung.

Eine traditionelle Yogapraxis besteht aus einer Sequenz verschiedener Asana (Haltungen) mit deren Hilfe wir auf intensive und sichere Weise unsere Bewegungsmöglichkeiten verbessern. Jede Yogapraxis hat eine bestimmet Wirkung, ein Vorher und ein Nacher. Die einzelnen Asana können auf unterschiedlichste Art und Weise ausgeführt und kombiniert werden. Dynamisch oder statisch, kurz oder lang, mit einer speziellen Atemtechnik, Tönen etc. Und da der Körper Veränderungen zum Teil nur langsam und schrittweise auf nimmt, sollte eine wirksame Yogapraxis entsprechend vorbereitet, sinnvoll aufgebaut und entsprechend angeleitet werden.

Pranayama – Atem. Energie.

Die komplexe Beziehung zwischen Atem (Prana), Körper und Geist (eng. mind), wurde von den alten Yogis auf vielfältige Weise genutzt. Prana, oder im übertragendem Sinn Lebensenergie, ist ein zentraler Aspekt im Yoga und eng mit dem Atem verbunden. Neben Reinigung und Abbau von Schlacken hilft der Atem auch den Geist zu beruhigen.

In der Yogapraxis spielt der gleichmäßig fließende und bewusst geführt Atem eine sehr wichtige Rolle. Der Atem gibt den Übungen Inhalt und Struktur. Asana und Vinyasas können mit einem gleichmäßigen und langen Atemfluss – mit oder ohne Atempausen auf vielfältige Art und Weise kombiniert werden. Körper und Geist kommen so ins Gleichgewicht, da beide sich an der Befindlichkeit des Atems orientieren. Auch in der Heilung spielt die Fähigkeit, den eigenen Atem zu schulen und zu verlangsamen, eine zentrale Rolle. Mit der Hilfe des Atems kann das natürliche Gleichgewicht von Körper und Geist wieder hergestellt werden.

Samyama – Verbundenheit. Bewusstsein. Freiheit.

Alles im Leben das uns bewegt ist geistiger Natur. Was von uns Menschen in Millionen von Jahren erschaffen wurde, ist mittels unseres "Bewussteins" entstanden. Mit unseren Vorstellungen und Wünschen beeinflussen wir unmittelbar die Realität. Wir planen, denken, handeln und manifestieren somit unsere Gedanken in der Welt. Es entstehen Religionen, Nationen, Städte, Ideen, Wissenschaft, Methoden, Kunst, Kultur, Kriege etc. Unsere gesamte Zivilisation ist das Abbild unseres kollektiven Bewusstsein und Handeln und alles steht mit einander wechselseitig in Beziehung ...

Die sinnliche Wahrnehmung ist unser Tor zu Welt und wir stehen mit der Welt ununterbrochen in Beziehung – so lange wir leben. Ob wir tief schlafen, träumen oder wach sind... in der reinen Wahrnehmung gibt es immer nur den Moment. JETZT. Aber unserer Fähigkeit des Denkens, das Speichern, Steuern, Analysieren und Beobachten als Teil des Bewusstsein, schafft Zeit und Trennung. Einteilung in innen und aussen, jetzt, morgen, gestern, schwarz, weiss, gut, böse, ich, du usw.... Gibt es Bewusstsein ohne dieses unterscheidende Denken?

Samyama, "Meditation" ist nicht etwas das wir mit Mühe und Zeit erlernen können. Worte können das Unfassbare nicht beschreiben. Wir können den Moment nicht festhalten. Wir können nur wahrnehmen – das was ist. Das Wahre als wahr erkennen. Wahr sein. Jenseits der Gedanken. Jenseits von Wissen. Jenseits von Zeit.

"Yoga ist der Zustand in dem die Bewegung des Denken zur Ruhe kommt."
Patanjali, Yogasutra 1

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